Dienstag, 1. September 2026

Das Wie und Wo des Sparens (2)

Die Oper als Opfer
Die Intendanz des Badischen Staatstheaters steht offenbar intern nicht gut da (mehr hier), doch auch aus Publikumssicht ist Kritik angebracht, denn die Oper muß für Akuteinsparungen herhalten: Das Sänger-Ensemble ist unter die Größe von Schauspiel und Ballett geschrumpft. Intendant Firmbach verantwortet einen Tiefpunkt in der jüngeren Geschichte des Hauses.

Montag, 27. Juli 2026

Bayreuther Festspiele: Wagner - Rienzi, 26.07.2026

Anfang des Jahres kürte die New York Times in den 52 places to go in 2026 (hier) genau einen Ort in Deutschland: Bayreuth. Und das aus einem einzigen Grund: die Wagner-Festspiele feiern ihr 150. Jubiläum und eröffneten mit einer Neuerung: Zum allerersten Mal wurde gestern Wagners dritte vollendete und 1842 umjubelt uraufgeführte Oper Rienzi, der letzte der Tribunen im Bayreuther Festspielhaus aufgeführt. Richard Wagner hatte seine Frühwerke Die Feen, Das Liebesverbot und Rienzi nie ausdrücklich für Bayreuth vorgesehen; deshalb galten sie dort bisher nicht als Teil des regulären Festspielrepertoires, also der zehn kanonischen Werke ab dem Fliegenden Holländer bis Parsifal. Zum 200.Geburtstag des Komponisten wurden 2013 die drei Frühwerke als Gastspiele in der Oberfrankenhalle aufgeführt. Dirigent Christian Thielemann erklärte damals den Aufführungsort : "...  nicht im Festspielhaus - das wäre nicht nur nicht in Wagners Sinne, sondern wegen des gedeckelten Grabens auch kontraproduktiv". Nun also doch, gegen die Absicht Wagners: Rienzi hatte gestern bei den Festspielen Premiere und es stellte sich vor allem eine Fraqe vorab: will man der Oper gerecht werden oder sich dem Zeitgeist anbiedern? Leider geschah letzteres. Die beiden Regisseurinnen begingen den Kardinalfehler, die Handlung abzuändern, um der Oper etwas anderes aufzupropfen. Dies geschah leider ohne die erforderliche Plausibilität des überzeugenden Ganzen. Sängerisch und musikalisch hingegen konnte man gestern zufrieden sein.

Sonntag, 26. Juli 2026

Der verpuffte Intendanzwechsel

Der Umbau als Alibi für schwindende Zuschauer
Nichts sollte aktuell leichter zu erreichen sein als volle Theater. Immerhin erreichen die geburtenstarken Jahrgänge langsam die Rente und haben nach einer langen, produktiven und wirtschaftlich erfolgreichen Ära Zeit für Geselligkeit und abendliche Unterhaltung. Die Demographie spricht aktuell für die Bühnen, wer auswärts versucht, für Vorstellungen in renommierten Häusern Karten zu bekommen, weiß, daß man schon rechtzeitig schauen muß, um an gute Karten zu kommen. In Karlsruhe trifft das nur noch bei den Händel-Festspielen und bei seltenen Leuchtturm-Produktionen zu (Dracula war stets ausverkauft). Denn gerade in Karlsruhe will man dieses Publikum leider nicht ansprechen. Damit man ja nicht die falschen Zuschauer anlockt, hat man bekanntlich die Maßnahmen für die Außendarstellung stark reduziert, das Theater ist unsichtbarer geworden, insbesondere das Schauspiel agiert als Klienteltheater und hat in der abgelaufenen Spielzeit die geringsten Besucherzahlen. Viel finanziell interessantes Publikum bleibt weg und wird durch das Karlsruher Theater gar nicht erst angesprochen.
Intendant Firmbach ist nach zwei Spielzeiten nicht auf der Erfolgsspur, manches hat sich aus Zuschauersicht zwar normalisiert, aber der erhoffte Umschwung hin zu mehr Abwechslung ist nicht eingetreten. Wer sich vom Intendanten neuen Schwung erhofft hat, kann nur enttäuscht sein, die erhoffte Aufbruchstimmung flachte schnell ab. Und man sollte sich nicht täuschen lassen: die finanziellen Probleme der Stadt Karlsruhe, Kürzungen und Neubau sind nicht pauschal für die sinkenden Zuschauerzahlen (Rückgang zum Vorjahr: ca. 5%) verantwortlich. Beim Vergleich mit der nicht gerade rosigen Spielzeit 2018/2019 zeigen sich sich in fast allen Sparten sinkende Auslastungen:

Donnerstag, 23. Juli 2026

Tindall/Harwood - Dracula, 22.07.2026

Seit der Premiere (mehr hier) vor drei Monate ist Dracula ständig ausverkauft. Auch beim zweiten Besuch beeindruckt die Vorstellung als opulentes, sehr zeitgenössisches Handlungsballett zwischen Mode-Glamour, psychologischen Abgründen und Show-Effekt, das gestern noch homogener als in der Premiere wirkte. Auch wenn Handlung, Umsetzung und Musiksprache durchaus Fragen hinterlassen.

Montag, 20. Juli 2026

Ballett-Gala, 19.07.2026

Glamour-Mangel 
Sind das Sparmaßnahmen? Wenn ja, dann hat das Badische Staatstheater die wichtigste Regel gebrochen: man spart an Läßlichem und Nebenschauplätzen, aber auf keinem Fall bei Publikum und Qualität der zentralen Sparten. Letztes Jahr hatte man bei der Ballett-Gala sechs Choreographien mit neun Gasttänzern, dieses Jahr hatte man nur noch drei mit fünf Gasttänzern, davon zwei Nachwuchstänzer. Im Vergleich zum Vorjahr fehlten Glamour- und Gala-Ambiente. Dazu kamen manche Choreographien, als deren einziges Attribut man depressive Verstimmung nennen kann sowie Gelegenheitschoreographien ohne Erinnerungswert. 

Sonntag, 12. Juli 2026

5. Sonderkonzert, 11.07.2026

Brahms-Diptychon als beeindruckender Kraftakt
Wer dabei war, wird sich erinnern: am 01.11.2020, am Vorabend der Schließung der Theater im Zuge der Covid-Beschränkungen spielte Gerhard Oppitz in einem unvergesslichen Konzert im Konzerthaus alle fünf Klavierkonzerte von Ludwig van Beethoven in einem über vierstündigen Konzertabend. Oppitz kehrte nun gestern zurück, um sich einer anderen künstlerischen Herausforderung zu stellen: Ein Abend mit beiden monumentalen Klavierkonzerten von Johannes Brahms, die sich in Stimmung und Ausdruck markant unterscheiden und gestern beeindruckend als ungleiche Zwillinge präsentiert wurden.

Montag, 6. Juli 2026

8. Symphoniekonzert, 06.07.2027

Johannes Brahms und der von Brahms beeinflußte Wilhelm Stenhammar standen auf dem Programm des letzten regulären Symphoniekonzerts der Saison. 

Samstag, 27. Juni 2026

Das Ende des Elends?

Das Sprechtheater des Badischen Staatstheaters ist in der Dauerkrise, nun wurde überraschend bekannt, daß es ab 2027/2028 wieder einen neuen Schauspieldirektor geben wird.

Verdi - Rigoletto, 27.06.2026 - Hitzefrei

Die erste Hitzeperiode des Jahres erreichte am Premierentag des neuen Rigoletto ihren Höhepunkt: gegen 9 Uhr wurde die 30°C Marke überschritten, um 19 Uhr zum Aufführungsbeginn waren es fast 40°C. Zu warm für den Autor dieser Zeilen, als daß ein Genuß möglich gewesen wäre. Rigoletto war zudem erst im letzten Jahrzehnt zuletzt in Karlsruhe zu hören.
Falls jemand der Hitze trotzte und die Impressionen der Premiere in Worte fassen wollte - gerne als Kommentar! War es kühl genug im Zuschauerraum? 

Freitag, 19. Juni 2026

Der neue GMD ab 2027/28 ist nun bekannt

Es war still geworden um die Nachfolge von Georg Fritzsch als GMD der Badischen Staatskapelle. Daß es nun der 1992 in London geborene britische Dirigent Kerem Hasan wird, kommt überraschend. Das Engagement wirkt fast wie das Ergebnis eines Speed-Datings. 

Dienstag, 2. Juni 2026

7. Symphoniekonzert, 01.06.2026

Die Symphonie als Kosmologie
Mit der 3. Symphonie d-Moll für Altsolo, Frauenchor, Kinderchor und Orchester gab es gestern nach über 20 Jahren wieder Gustav Mahlers kosmologisches Werk zu hören, und das gelang mit ca. 105 Musikern und 50 Sängerinnen hervorragend.

Montag, 1. Juni 2026

Das Wie und Wo des Sparens (1)

Das Badische Staatstheater bekommt bekanntlich weniger Geld - knapp fünf Millionen Euro jährlich, Intendant Firmbach kündigte letzten Sommer sogar an, Sparten schließen zu müssen. Davon war dann plötzlich keine Rede mehr. Wie schafft man es, Millionen einzusparen und wer sind die Leidtragendenden? Für die erste Frage findet sich bisher keine transparente Antwort, aber erste Unzufriedenheiten scheinen im Theater zu rumoren. Insgesamt zeichnen erste Stimmungen das Bild einer angespannten Situation, in der Sparmaßnahmen, Personalabbau und wahrgenommene Führungsdefizite die Arbeitsbedingungen und potenziell auch die Qualität der Produktionen beeinträchtigen können.

Donnerstag, 21. Mai 2026

Mascagni - Cavalleria Rusticana, Leoncavallo - Pagliacci, 20.06.2026

Es war höchste Zeit, endlich mal wieder die Prototypen des Verismo Cavalleria Rusticana und Pagliacci in der Karlsruher Oper zu spielen, die Premiere überzeugte und auch gestern, anscheinend die Dernière, machte die Vorstellung Lust auf mehr Verismo. Apropos Verismo: Welcher in Glasgow geborene, britische Komponist schuf 21 deutsche Opern? Hinweis: Seine erste Oper wurde 1893 in Karlsruhe uraufgeführt, sein populärstes Werk (UA 1903) gilt als eine der erfolgreichsten deutschen Verismo-Opern?

Montag, 18. Mai 2026

Britten - A Midsummer Night’s Dream, 17.05.2026

Pittoreske Entschleunigung
Anläßlich des 50. Todestags von Benjamin Britten (*1913 †1976) hat sich das Badische Staatstheater nicht für Peter Grimes oder den Tod in Venedig entschieden, die beide zu Beginn des letzten Jahrzehnts in Karlsruhe zu hören waren, nicht für eines der in Karlsruhe überfälligen Werke wie Gloriana oder Billy Budd oder die beeindruckende The Turn of the Screw, sondern für den sehr subtilen, aber auch zur  Sprödigkeit neigenden A Midsummer Night’s Dream (UA 1960), bei dem der Regisseur den Traum im Titel ernstnahm und eine phantasievolle, aus der Musik behutsam entwickelte Inszenierung präsentiert, die bei der gestrigen Premiere so homogen musiziert und gesungen wurde, daß man eigentlich niemanden hervorheben möchte - mit Ausnahme des Cantum Juvenum, dessen Kinder gestern schöne Szenen hatten.

Freitag, 8. Mai 2026

Poulenc - Dialogue des Carmélites, 07.05.2026

Abgefertigt
Wie konnte man diese schöne Oper nur so desinteressiert und gedankenlos inszenieren? Es lag nicht an Sängern und Musikern, daß man das Publikum mit dieser Produktion nicht erreichte.