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Sonntag, 25. Januar 2026

Poulenc - Dialogues des Carmélites, 24.01.2026

Das Mysterium des Glaubens 
Was wäre das Christentum ohne seine Märtyrer? Die Handlung von Francis Poulencs (*1899 †1963) 1957 uraufgeführten Oper Dialog der Karmeliterinnen basiert auf der 1931 erschienen Novelle Die Letzte am Schafott der fast vergessenen deutschen Schriftstellerin Gertrud von le Fort (*1876 †1971), die wiederum auf wahren Begebenheiten beruht:  Am 17. Juli 1794 wurden während der brutalsten Phase der französischen Revolution 16 Nonnen des Karmeliterinnen-Ordens in Paris durch die Guillotine hingerichtet, weil sie sich geweigert hatten, ihr Ordensgelübde zu brechen. Doch die Verfolgung von Christen ist kein Relikt vergangener Zeiten. Christen sind die weltweit am meisten bedrängte Glaubensgemeinschaft. Der Blutzoll ist hoch, doch die aktuellen Märtyrer- und Leidensgeschichten bleiben unerzählt. Auch in Europa gibt es Intoleranz und Diskriminierung gegen Christen, das Ausmaß antichristlicher Straftaten - Kirchenvandalismus, Brandstiftung und körperliche Gewalt gegen Priester - nimmt zu.  Auch sonst fällt auf, daß Weihnachtsmärkte ebenso wie jüdische Feste potentielle Angriffsziele geworden sind, die mit hohem Aufwand geschützt werden müssen. Der Haß auf das Christentum und die Christenverfolgung erfolgen oft unter Ausschluß der Öffentlichkeit. Von vielen Medien wird die religiöse Dimension von Konflikten heruntergespielt oder ignoriert; Man schaut gerne weg, um nicht verstehen zu müssen, wo die Realität nicht zum eigenen Wunschbild paßt.
Gestern gab es nun in Karlsruhe die Premiere eines Dialogs der Karmeliterinnen, die zu viel im Ungefähren beließ und die Handlung in eine nicht weiter ausgedeutete sozialistische Diktatur verlegt. Weil es der Regie nicht gelingt, ein überzeugendes Innen zu inszenieren, erfindet sie uninspiriert ein belangloses und nicht überzeugendes Außen hinzu, das der Oper nicht gut tut. Viele spannenden Momente verpuffen ideenlos. Dazu kommen uninspirierte Kostüme und eine unattraktive Bühne. Es ist den Sängerinnen und Musikern zu verdanken, daß diese wunderschöne Oper zumindest eine minimale Wirkung erzielte. Der Applaus war schnell endend wollend.

Sonntag, 25. Mai 2025

Tschaikowsky - Eugen Onegin, 24.05.2025

Seelenschilderung vor symbolischer Landschaft 
Eigentlich sollte Tschaikowskys Oper nicht Eugen Onegin heißen, sondern Tatjana, denn nicht dem titelgebenden Schnösel gehört das Mitgefühl des Publikums, sondern der von ihm verschmähten Frau. Tschaikowsky bezeichnete seine Oper ausdrücklich als "Lyrische Szenen", und jede Inszenierung, die auf die Musik hört, muß einen Weg finden, sich auf die inneren Bewegungen der Figuren, auf intime und psychologisch feinfühlige Motive und leise Gefühlsregungen zu konzentrieren. Der neuen Karlsruher Inszenierung gelingt das in einer durchweg werkgemäßen und damit überraschungsfreien, aber auch etwas nüchtern-leidenschaftslosen Weise, die getragen von den famosen Sängern und Musikern gestern eine gute Premiere feierte.

Montag, 28. Oktober 2024

Mascagni - Cavalleria Rusticana, Leoncavallo - Pagliacci, 27.10.2024

Glutvoll und lodernd
Es war höchste Zeit, daß die beliebten Opernzwillinge auf die Karlsruher Opernbühne zurückkehren, wo sie zuletzt in den 1990er getrennt inszeniert wurden. Beide Opern handeln von Liebe, Ehebruch, Eifersucht und Totschlag und die Inszenierung verbindet die beiden Einakter zu einer Oper mit zwei Handlungen, die am gleichen Tag im gleichen Ort spielen: "Das Dorf Vizzini südlich von Catania, Piazzetta S. Teresa, 21. April 1946, Ostersonntag".  Das Resultat ist gelungen, szenisch spannend sowie musikalisch und sängerisch emotionsstark - immer wieder ergeben sich mitreißende dramatische Höhepunkte. Applaus und Jubel des Publikums waren langanhaltend.