Umjubeltes Belcanto-Sängerfest mit Beigeschmack
Vorstellungen am Sonntagabend sind traditionell ein Angebot des Badischen Staatstheaters, das sich an Rentner und all jene richtet, die entweder wenig Schlaf benötigen oder Montagmorgens nicht in aller Frühe aufstehen und in eine neue Arbeitswoche starten müssen. Wenn man dann noch eine sehr selten gespielte, quasi unbekannte Oper wie La Straniera bringt, die zum Einsparen von Kosten als "Halbszenische Aufführung" angekündigt wird, auf Öffentlichkeitsarbeit verzichtet und gar nicht erst versucht, dem Publikum Sinn und Reiz zu vermitteln, dann hat man wirklich alles für eine mäßig besuchte Aufführung getan. Viele Plätze blieben bei der gestrigen Premiere leer und auch für die folgenden Vorstellungen sind (noch) mehr Plätze frei als vergeben. Diese Lieblosigkeit im Umgang mit dem eigenen Angebot ist eines der vielen Probleme, das Intendant Firmbach bisher nicht in den Griff bekommen hat. Wer sich die Opernbegeisterung hingegen nicht nehmen ließ, der erlebte gestern musikalische Raffinesse und vokale Eleganz, bei der sich exzellente Stimmen zu einem harmonischen Klangbild verbanden und Belcanto erlebbar wurde. Für Opern-Fans lohnt sich jede Rarität, doch besonders wenn sie so engagiert gesungen und musiziert wird wie bei der gestrigen Premiere von La Straniera. Man kann nur hoffen, daß sich nicht zu viele Zuschauer abschrecken lassen, bereits die erste Rarität der Spielzeit Les Boréades entwickelte sich vom Geheimtipp zum Publikumserfolg, La Straniera ist dies ebenfalls zu wünschen.
Seit 1988 bin ich steter Besucher des Badischen Staatstheaters. Bei vielen Opern-, Theater-, Konzert- und Ballettvorstellungen im Jahr und Besuchen in anderen Städten verliert man schon mal den Überblick. Dieser Tagebuch-Blog dient mir seit der Spielzeit 2024/2025 als elektronische Erinnerung. Bitte beachten Sie meine Intention: ich bin kein Journalist oder Kritiker, sondern schreibe hier lediglich persönliche Eindrücke, private Ansichten und Vermutungen für mich und Angehörige nieder.
Montag, 30. März 2026
Bellini - La Straniera, 29.03.2026
Sonntag, 25. Mai 2025
Tschaikowsky - Eugen Onegin, 24.05.2025
Seelenschilderung vor symbolischer Landschaft
Eigentlich sollte Tschaikowskys Oper nicht Eugen Onegin heißen, sondern Tatjana, denn nicht dem titelgebenden Schnösel gehört das Mitgefühl des Publikums, sondern der von ihm verschmähten Frau. Tschaikowsky bezeichnete seine Oper ausdrücklich als "Lyrische Szenen", und jede Inszenierung, die auf die Musik hört, muß einen Weg finden, sich auf die inneren Bewegungen der Figuren, auf intime und psychologisch feinfühlige Motive und leise Gefühlsregungen zu konzentrieren. Der neuen Karlsruher Inszenierung gelingt das in einer durchweg werkgemäßen und damit überraschungsfreien, aber auch etwas nüchtern-leidenschaftslosen Weise, die getragen von den famosen Sängern und Musikern gestern eine gute Premiere feierte.