Anfang des Jahres kürte die New York Times in den 52 places to go in 2026 (hier) genau einen Ort in Deutschland: Bayreuth. Und das aus einem einzigen Grund: die Wagner-Festspiele feiern ihr 150. Jubiläum und eröffneten mit einer Neuerung: Zum allerersten Mal wurde gestern Wagners dritte vollendete und 1842 umjubelt uraufgeführte Oper Rienzi, der letzte der Tribunen im Bayreuther Festspielhaus aufgeführt. Richard Wagner hatte seine Frühwerke Die Feen, Das Liebesverbot und Rienzi nie ausdrücklich für Bayreuth vorgesehen; deshalb galten sie dort bisher nicht als Teil des regulären Festspielrepertoires, also der zehn kanonischen Werke ab dem Fliegenden Holländer bis Parsifal. Zum 200.Geburtstag des Komponisten wurden 2013 die drei Frühwerke als Gastspiele in der Oberfrankenhalle aufgeführt. Dirigent Christian Thielemann erklärte damals den Aufführungsort : "... nicht im Festspielhaus - das wäre nicht nur nicht in Wagners Sinne, sondern wegen des gedeckelten Grabens auch kontraproduktiv". Nun also doch, gegen die Absicht Wagners: Rienzi hatte gestern bei den Festspielen Premiere und es stellte sich vor allem eine Fraqe vorab: will man der Oper gerecht werden oder sich dem Zeitgeist anbiedern? Leider geschah letzteres. Die beiden Regisseurinnen begingen den Kardinalfehler, die Handlung abzuändern, um der Oper etwas anderes aufzupropfen. Dies geschah leider ohne die erforderliche Plausibilität des überzeugenden Ganzen. Sängerisch und musikalisch hingegen konnte man gestern zufrieden sein.
Seit 1988 bin ich steter Besucher des Badischen Staatstheaters. Bei vielen Opern-, Theater-, Konzert- und Ballettvorstellungen im Jahr und Besuchen in anderen Städten verliert man schon mal den Überblick. Dieser Tagebuch-Blog dient mir seit der Spielzeit 2024/2025 als elektronische Erinnerung. Bitte beachten Sie meine Intention: ich bin kein Journalist oder Kritiker, sondern schreibe hier lediglich persönliche Eindrücke, private Ansichten und Vermutungen für mich und Angehörige nieder.
Montag, 27. Juli 2026
Sonntag, 26. Juli 2026
Der verpuffte Intendanzwechsel
Der Umbau als Alibi für schwindende Zuschauer
Nichts sollte aktuell leichter zu erreichen sein als volle Theater. Immerhin erreichen die geburtenstarken Jahrgänge langsam die Rente und haben nach einer langen, produktiven und wirtschaftlich erfolgreichen Ära Zeit für Geselligkeit und abendliche Unterhaltung. Die Demographie spricht aktuell für die Bühnen, wer auswärts versucht, für Vorstellungen in renommierten Häusern Karten zu bekommen, weiß, daß man schon rechtzeitig schauen muß, um an gute Karten zu kommen. In Karlsruhe trifft das nur noch bei den Händel-Festspielen und bei seltenen Leuchtturm-Produktionen zu (Dracula war stets ausverkauft). Denn gerade in Karlsruhe will man dieses Publikum leider nicht ansprechen. Damit man ja nicht die falschen Zuschauer anlockt, hat man bekanntlich die Maßnahmen für die Außendarstellung stark reduziert, das Theater ist unsichtbarer geworden, insbesondere das Schauspiel agiert als Klienteltheater und hat in der abgelaufenen Spielzeit die geringsten Besucherzahlen. Viel finanziell interessantes Publikum bleibt weg und wird durch das Karlsruher Theater gar nicht erst angesprochen.
Intendant Firmbach ist nach zwei Spielzeiten nicht auf der Erfolgsspur, manches hat sich aus Zuschauersicht zwar normalisiert, aber der erhoffte Umschwung hin zu mehr Abwechslung ist nicht eingetreten. Wer sich vom Intendanten neuen Schwung erhofft hat, kann nur enttäuscht sein, die erhoffte Aufbruchstimmung flachte schnell ab. Und man sollte sich nicht täuschen lassen: die finanziellen Probleme der Stadt Karlsruhe, Kürzungen und Neubau sind nicht pauschal für die sinkenden Zuschauerzahlen (Rückgang zum Vorjahr: ca. 5%) verantwortlich. Beim Vergleich mit der nicht gerade rosigen Spielzeit 2018/2019 zeigen sich sich in fast allen Sparten sinkende Auslastungen:
Donnerstag, 23. Juli 2026
Tindall/Harwood - Dracula, 22.07.2026
Seit der Premiere (mehr hier) vor drei Monate ist Dracula ständig ausverkauft. Auch beim zweiten Besuch beeindruckt die Vorstellung als opulentes, sehr zeitgenössisches Handlungsballett zwischen Mode-Glamour, psychologischen Abgründen und Show-Effekt, das gestern noch homogener als in der Premiere wirkte. Auch wenn Handlung, Umsetzung und Musiksprache durchaus Fragen hinterlassen.
Montag, 20. Juli 2026
Ballett-Gala, 19.07.2026
Glamour-Mangel
Sind das Sparmaßnahmen? Wenn ja, dann hat das Badische Staatstheater die wichtigste Regel gebrochen: man spart an Läßlichem und Nebenschauplätzen, aber auf keinem Fall bei Publikum und Qualität der zentralen Sparten. Letztes Jahr hatte man bei der Ballett-Gala sechs Choreographien mit neun Gasttänzern, dieses Jahr hatte man nur noch drei mit fünf Gasttänzern, davon zwei Nachwuchstänzer. Im Vergleich zum Vorjahr fehlten Glamour- und Gala-Ambiente. Dazu kamen manche Choreographien, als deren einziges Attribut man depressive Verstimmung nennen kann sowie Gelegenheitschoreographien ohne Erinnerungswert.
Sonntag, 12. Juli 2026
5. Sonderkonzert, 11.07.2026
Brahms-Diptychon als beeindruckender Kraftakt
Wer dabei war, wird sich erinnern: am 01.11.2020, am Vorabend der Schließung der Theater im Zuge der Covid-Beschränkungen spielte Gerhard Oppitz in einem unvergesslichen Konzert im Konzerthaus alle fünf Klavierkonzerte von Ludwig van Beethoven in einem über vierstündigen Konzertabend. Oppitz kehrte nun gestern zurück, um sich einer anderen künstlerischen Herausforderung zu stellen: Ein Abend mit beiden monumentalen Klavierkonzerten von Johannes Brahms, die sich in Stimmung und Ausdruck markant unterscheiden und gestern beeindruckend als ungleiche Zwillinge präsentiert wurden.
Montag, 6. Juli 2026
8. Symphoniekonzert, 06.07.2027
Johannes Brahms und der von Brahms beeinflußte Wilhelm Stenhammar standen auf dem Programm des letzten regulären Symphoniekonzerts der Saison.