Johannes Brahms und der von Brahms beeinflußte Wilhelm Stenhammar standen auf dem Programm des letzten regulären Symphoniekonzerts der Saison.
Zu Beginn die gut gelaunte, ironische Akademische Festouvertüre c-Moll op. 80, die Johannes Brahms (*1833 †1897) anläßlich der Verleihung der Ehrendoktorwürde durch die Universität Breslau quasi als Dankeschön komponierte. Brahms verarbeitete Studentenlieder und beendet das Stück mit einem quasi zechenden Maestoso, das gestern ebenfalls seine Aufgabe erfüllte.
Das spätromantische Klavierkonzert Nr. 2 d-Moll op. 23 des schwedischen Komponisten Wilhelm Stenhammar (*1871 †1927) klingt nach nordischer Schwere: innerlich bewegt und symphonisch gedacht. Der Ton ist ernst, lyrisch und etwas eigensinnig, eher weit gespannte, melancholisch getönte Klangflächen denn virtuoser Effekt um seiner selbst willen. Claire Huangci hatte vor drei Jahren bereits mit Liszts 1. Klavierkonzert überzeugt, gestern nun kein dramatischer Liszt-Klavierorkan, sondern eine mit spielerischer Leichtigkeit und einer introvertiert konturierten, sehnsuchtsvollen Klangfarbe ausgedrückte Schwermut und Versonnenheit, die im Schlußsatz spürbar aufhellte und mit virtuoser Energie ausklang. Es entwickelte sich eine nach innen gerichtete Spannung, die Emphase in kontrollierter Form ausdrückte, keine Überschwang, aber auch nie zäh oder bleiern wirkend. Wer Fan der Aufnahmenreihe The Romantic Piano Concertro des Labels Hyperion ist, konnte gestern begeistert diese schöne Rarität endlich mal live hören, und dafür Vielen Dank! an die Badische Staatskapelle. Nach 2024 mit dem Klavierkonzert von Adolf Busch und nun dem 2. Konzert von Stenhammar könnte man fast hoffen, daß auch zukünftig eher selten gespielte Klavierkonzerte in Karlsruhe den Weg ins Programm finden.
Nach der Pause die Symphonie Nr. 1 c-Moll op. 68 von Johannes Brahms, die im Herbst zum 150. Jubiläum der Karlsruher Uraufführung erneut erklingt - dann dirigiert von Justin Brown mit originalem 2. Satz in einer Rekonstruktion Browns. Gestern dirigierte Georg Fritzsch eine klanglich geschlossene, gut balancierte Aufführung, in der die einzelnen Instrumentengruppen präzise aufeinander bezogen waren. Vom pochenden, unerbittlichen Grundgestus zu Beginn mit markant geschlagen Pauken entwickelte sich eine spannende Aufführung. Oboen und Klarinetten setzten immer wieder schöne Akzente, die dialogischen Passagen zwischen Holz und Streichern wirkten sorgfältig abgestimmt, Hörner und Fagotte formten warme, runde Klangflächen. Im Finale kann man die orchestrale Steigerung noch intensiver gestalten, die späte Choralpassage der Blechbläser kann man weniger nobel und überwältigender spielen lassen, doch ansonsten überzeugten die präzise Artikulation und die Transparenz des Orchesterklangs.
Am kommenden Wochenende folgt das 5. Sonderkonzert mit beiden monumentalen Klavierkonzerten von Johannes Brahms, gespeilt von Gerhard Oppitz!
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