Die Symphonie als Kosmologie
Mit der 3. Symphonie d-Moll für Altsolo, Frauenchor, Kinderchor und Orchester gab es gestern nach über 20 Jahren wieder Gustav Mahlers kosmologisches Werk zu hören, und das gelang mit ca. 105 Musikern und 50 Sängerinnen hervorragend.
GMD Georg Fritzsch und die Badische Staatskapelle entfalteten die Wirkung der Musik durch große Gesten und die Entwicklung aus dem Detail, insbesondere im spannenden Zusammenspiel zwischen den instrumentalen Gruppen. Von Beginn wurde hier bei tragfähigen Grundtempo ein langer Spannungsbogen aufgebaut. Der erste Satz mit einer Dimension von 35 Minuten ist länger als viele komplette Symphonien, ein ständiges Auf und Ab bei dem kein Motiv sich richtig entwickelt, sie sich aber triumphal im abschließenden Marsch vereinen. Zu Bruno Walter, der Mahler 1896 in Steinbach am Attersee besuchte, bemerkte der Komponist mit Blick auf das Höllengebirge: "Sie brauchen gar nicht erst mehr hinzusehen, das habe ich schon alles wegkomponiert". Der Beginn der Symphonie wirkte in seiner Länge gestern bravourös geschlossen, Fritzsch setzte die verschiedenen Abschnitte voneinander ab und verband sie zugleich miteinander. Die marschartigen Passagen hatten Gewicht, ohne schwerfällig zu wirken, während die ruhigeren Episoden als notwendige Gegenpole ergänzten. Besonders eindrücklich war, wie die großen Steigerungen entwickelt wurden, die dynamischen Abstufungen waren differenziert, die Schlagwerkpassagen präsent, die Blechbläser setzten markante Akzente, beide wirkten jedoch nie dominant über das Gesamtgefüge hinaus. An der Solo-Posaune zeigte Sandor Szabo sein Können.
Der dritte Satz brachte eine gewisse Unruhe zurück, allerdings in kontrollierter Form. Die vielen kleinen Verschiebungen und Wiederholungen erzeugten eine Spannung, die sich nie ganz auflöste. Das ganz im Sinne der Romantik aus der Ferne erklingende Posthorn, von Jens Böcherer großartig im vom Publikum uneinsehbaren Hintergrund der Bühne musiziert, fiel besonders auf: nicht als Effekt, sondern als Lücke: als bestimmender, distanzierter, visuell fehlender Klang.
Die Badische Staatskapelle zeigte eine klare, strukturell orientierte Lesart, die weniger auf expressive Überhöhung als auf Durchhörbarkeit und formale Balance setzte. Dirigent und Orchester arbeiteten die Kontraste zwischen den Sätzen präzise heraus, ohne die Übergänge zu nivellieren. Eine schönes, spannendes und rundum gelungenes Konzert. BRAVO!
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