Montag, 1. Juni 2026

Das Wie und Wo des Sparens (1)

Das Badische Staatstheater bekommt bekanntlich weniger Geld - knapp fünf Millionen Euro jährlich, Intendant Firmbach kündigte letzten Sommer sogar an, Sparten schließen zu müssen. Davon war dann plötzlich keine Rede mehr. Wie schafft man es, Millionen einzusparen und wer sind die Leidtragendenden? Für die erste Frage findet sich bisher keine transparente Antwort, aber erste Unzufriedenheiten scheinen im Theater zu rumoren. Insgesamt zeichnen erste Stimmungen das Bild einer angespannten Situation, in der Sparmaßnahmen, Personalabbau und wahrgenommene Führungsdefizite die Arbeitsbedingungen und potenziell auch die Qualität der Produktionen beeinträchtigen können.

Keine gute Lobby in der Intendanz scheinen die Menschen im Hintergrund zu haben. Mehrere Hinweise zu Sparmaßnahmen betreffen den Abbau spezialisierter Funktionen im technischen Bereich, Aufgaben würden nun auf weniger oder anders qualifizierte Mitarbeiter verteilt, was zukünftig die Fehleranfälligkeit insbesondere während der Vorstellungen erhöhe. Angesichts der Vielzahl an gleichzeitig zu koordinierenden Abläufen von der Technik über das Licht bis hin zu Bühne und Ton können sicherheits- und qualitätsrelevante Probleme häufiger werden. Nach der Premiere von Brittens Mittsommernachtstraum machte ein Kommentator auf Probleme beim Einblenden der Übertexte aufmerksam. Von verschiedenen Seiten  ging darauf der Hinweis ein, daß dies bereits zur Einsparproblematik gehört und Zeichengeber weggekürzt wurden. Zugleich wird es Personalmangel geben, der dazu führe, daß Mitarbeiter außerhalb regulärer Arbeitszeiten einspringen müssten, um den Vorstellungsbetrieb aufrechtzuerhalten. 

Ein weiterer Schwerpunkt der internen Kritik soll die Führungs- und Kommunikationskultur der Führungsmannschaft betreffen. Diese scheint in transparente zu sein, Präsenz, Wahrnehmbarkeit und Diskussionsbereitschaft der Theaterleitung scheint gering.

Bisher müssen also anscheinend operative Bereiche Personal abbauen, aber wird es auch weniger Führungs- und künstlerisches Personal geben? Das neue Spielzeitheft hat keine Übersicht mehr über die Ensembles und Personal, sonst könnte man als Zuschauer einfach nachzählen, wo es Einschnitte gab und ob auch auf der Führungsebene gespart wird. Diese gewollt wirkende Intransparenz wird das Theater vermutlich als "Papiersparen" deklarieren, scheint aber vielmehr zu kaschieren, daß das Theater ein Safe Space für Besserverdiener bzw. Führungskräfte errichtet hat und evtl. sogar Kernsparten statt Neusparten reduziert. 

Und ein weiterer Fokus der nächsten Spielzeit wird darauf liegen müssen, ob auf dem Rücken des Publikums gespart wird. Die Preise für Karten steigen, als Zuschauer darf man weder Toleranz für Sparproduktionen noch für Einbußen zeigen. Insbesondere darf die Intendanz das Publikum nicht weiter für dumm verkaufen und falsche Euphemismen bemühen. Gegenüber dem Autor dieses Blogs hat eine Person aus einer Spartenleitung nicht zugeben wollen, daß es sich in einem konkreten Fall um ein Sparmaßnahme handle, sondern hat das Wort "Nachhaltigkeit" bemüht. Diese Unwahrheit hielt nur wenige Sekunden des Rückfragens. Also liebe Intendanz des Badischen Staatstheaters: Transparenz wird manche Entscheidungen verständlicher, wenn auch nicht sympathischer machen, die Wahrheit zu verschleiern wird hingegen keinen Bonus erhalten.

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