Das Badische Staatstheater bekommt bekanntlich weniger Geld - knapp fünf Millionen Euro jährlich, Intendant Firmbach kündigte letzten Sommer sogar an, Sparten schließen zu müssen. Davon war dann plötzlich keine Rede mehr. Wie schafft man es, Millionen einzusparen und wer sind die Leidtragendenden? Für die erste Frage findet sich bisher keine transparente Antwort, aber erste Unzufriedenheiten scheinen im Theater zu rumoren. Insgesamt zeichnen erste Stimmungen das Bild einer angespannten Situation, in der Sparmaßnahmen, Personalabbau und wahrgenommene Führungsdefizite die Arbeitsbedingungen und potenziell auch die Qualität der Produktionen beeinträchtigen können.
Keine gute Lobby in der Intendanz scheinen die Menschen im Hintergrund zu haben. Mehrere Hinweise zu Sparmaßnahmen betreffen den Abbau spezialisierter Funktionen im technischen Bereich, Aufgaben würden nun auf weniger oder anders qualifizierte Mitarbeiter verteilt, was zukünftig die Fehleranfälligkeit insbesondere während der Vorstellungen erhöhe. Angesichts der Vielzahl an gleichzeitig zu koordinierenden Abläufen von der Technik über das Licht bis hin zu Bühne und Ton können sicherheits- und qualitätsrelevante Probleme häufiger werden. Nach der Premiere von Brittens Mittsommernachtstraum machte ein Kommentator auf Probleme beim Einblenden der Übertexte aufmerksam. Von verschiedenen Seiten ging darauf der Hinweis ein, daß dies bereits zur Einsparproblematik gehört und Zeichengeber weggekürzt wurden. Zugleich wird es Personalmangel geben, der dazu führe, daß Mitarbeiter außerhalb regulärer Arbeitszeiten einspringen müssten, um den Vorstellungsbetrieb aufrechtzuerhalten.
Ein weiterer Schwerpunkt der internen Kritik soll die Führungs- und Kommunikationskultur der Führungsmannschaft betreffen. Diese scheint wenig transparent zu sein, Präsenz, Wahrnehmbarkeit und Diskussionsbereitschaft der Theaterleitung scheint gering.
Bisher müssen also anscheinend operative Bereiche Personal abbauen, aber wird es auch weniger Führungs- und künstlerisches Personal geben? Das neue Spielzeitheft hat keine Übersicht mehr über die Ensembles und Personal, sonst könnte man als Zuschauer einfach nachzählen, wo es Einschnitte gab und ob auch auf der Führungsebene gespart wird. Diese gewollt wirkende Intransparenz wird das Theater vermutlich als "Papiersparen" deklarieren, scheint aber vielmehr zu kaschieren, daß das Theater ein Safe Space für Besserverdiener bzw. Führungskräfte errichtet hat und evtl. sogar Kernsparten statt Neusparten reduziert.
Und ein weiterer Fokus der nächsten Spielzeit wird darauf liegen müssen, ob auf dem Rücken des Publikums gespart wird. Die Preise für Karten steigen, als Zuschauer darf man weder Toleranz für Sparproduktionen noch für Einbußen zeigen. Insbesondere darf die Intendanz das Publikum nicht weiter für dumm verkaufen und falsche Euphemismen bemühen. Gegenüber dem Autor dieses Blogs hat eine Person aus einer Spartenleitung nicht zugeben wollen, daß es sich in einem konkreten Fall um ein Sparmaßnahme handle, sondern hat das Wort "Nachhaltigkeit" bemüht. Diese Unwahrheit hielt nur wenige Sekunden des Rückfragens. Also liebe Intendanz des Badischen Staatstheaters: Transparenz wird manche Entscheidungen verständlicher, wenn auch nicht sympathischer machen, die Wahrheit zu verschleiern, um zu täuschen, wird hingegen keinen Bonus erhalten.
Zu der Auflistung der Mitarbeiter wird wohl auf den Datenschutz hingewiesen.....???
AntwortenLöschenVielen Dank für den Hinweis, doch die DSGVO ist seit 2018 in Kraft und erforderte einiges an Aufwänden in der freien Wirtschaft. Wenn fehlende Zustimmung zur Verarbeitung personenbezogener Daten erst jetzt auffällt, würde das zeigen, wie hoffnungslos und inkompetent Stadt und Land der eigenen Gesetzgebung hinterher sind. Aber im künstlerischen Bereich scheint mir das nicht zutreffen zu sein, das wäre das erste Theater, daß seine Ensembles geheimhalten muß. Daß das nicht stimmen kann, sieht man darin, daß auf der Webseite noch immer die Namen der Mitarbeiter zu finden sind.
LöschenEs wurde jeder Mitarbeiter wegen Datenschutz befragt,ob er benannt und fotografiert werden darf.Wer sich nicht dazu geäußert hat,der wird nicht benannt oder fotografiert,das sind die "n.n." Plätze in den Jahresbüchern.Die Pflicht des Datenschutzes wurde eingehalten.
AntwortenLöschenMfG
Vielen Dank für die Erläuterung.
LöschenDie Ära von Herr Spuhler scheint schon fast vergessen.Ein selbstverliebter Diktator,der ohne Ansage das Ruder in der Hand haben wollte.Dr. Peters hat 3 Jahre einfach nur Theater eingebracht,er mag nicht perfekt gewesen sein,er war aber präsent,er wußte nicht nur was er wollte,er konnte es auch vermitteln.Nun haben wir wieder einen Show Man,einen selbstverliebten Kapitän,der nicht anwesend ist (ja,er mag auf der Bühne sein,er grüßt so gut wie nicht,er fragt gar nicht,wer man ist,er ist einfach nicht am Ganzen interessiert).Pappaufsteller sind sein Ding,vielleicht macht die "Bravo" noch einen "Star Schnitt" von ihm,würde passen und im neuesten Jahrbuch liegt er ja schon lasziv unter den Ballett Tänzern/innen.
AntwortenLöschenShow must go on,der Vorhang geht schon auf,wie auch immer.Ob man weiß,daß Pappe kein Marmor ist und somit nicht lange hält?Immrhin den Pokal als Sparfuchs aus Karlsruhe kann man ja noch erwerben
Vielen Dank und ja, das was Sie beschreiben, höre ich immer wieder: die Intendanz - Firmbach ist ja nur ein Drittel - ist nicht präsent oder setzt auf Show.
LöschenZum Thema "Sparen bei der Kunst" beschreibt Martha Eason die Beweggründe für die Kündigung ihres Festvertrags relativ eindeutig. Sie bezieht sich zwar nicht direkt auf das Badische Staatstheater, nimmt es in ihrer Schilderung aber weiß Gott nicht aus: https://nicoharper.substack.com/p/i-did-the-math-the-math-stopped-working
AntwortenLöschenVielen Dank Herr Kaspar für den Hinweis. Reich wird man nicht als fester Sänger, und in Zeiten der politisch gewollten finanziellen Bürden für Städte und Kommunen, wird es nicht besser. Oder anders ausgedrückt: es könnte ein wenig besser werden, wenn man die Prioritäten anders setzen würde und an den richtigen stellen einspart. Das will die Politik aber anscheinend gerade nicht, alle sollen an der kurzen Leine rumwursteln, man spart keine Sparte ein. Ich hätte einen anderen Weg gewählt, quantitativ reduzieren, qualitativ die Messlatte hochhalten.
Löschen@anonym: wie üblich: vielen lieben Dank für ihre Mühe!
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