Es war höchste Zeit, endlich mal wieder die Prototypen des Verismo Cavalleria Rusticana und Pagliacci in der Karlsruher Oper zu spielen, die Premiere überzeugte und auch gestern, anscheinend die Dernière, machte die Vorstellung Lust auf mehr Verismo. Apropos Verismo: Welcher in Glasgow geborene, britische Komponist schuf 21 deutsche Opern? Hinweis: Seine erste Oper wurde 1893 in Karlsruhe uraufgeführt, sein populärstes Werk (UA 1903) gilt als eine der erfolgreichsten deutschen Verismo-Opern?
Eugen d’Albert. 1893 gab es in Karlsruhe die auf Friedrich Hebbels Märchen beruhende Oper Der Rubin (hier der Programmzettel). Seine veristische Oper Tiefland hielt sich ca. sechs Jahrzehnte in den deutschen Spielplänen. Aber genug der Abschweifung.Christoph von Bernuths Inszenierung legt konsequent die Mechanik von Ehrbegriff, Begehren und öffentlicher Demütigung frei. Der Übergang zu Pagliacci erfolgt ohne Zäsur: Dieselbe Welt, dieselben Mechanismen, nun lediglich in eine Theatertruppe verlagert. Das sizilianische Dorf als verbindender Ort beider Opern und psychologisches Versuchslabor ist gelungen. Sängerisch tragen das Karlsruher Ensemble und insbesondere die Sängerinnen die Produktion: Barbara Dobrzanska ist eine starke Santuzza, Melanie Lang ist eine grandiose Mamma Lucia, die stets überzeugende Martha Eason spielte Nedda in dieser Produktion bereits in Oldenburg. Milen Bozhkov als Alfio /Tonio hatte Verletzungspech, weiterhin Marie-Sophie Janke als Lola, Tomohiro Takada (nächste Spielzeit singt er Mandryka in Arabella) als Silvio und als Gast mal wieder zurückgekehrt: der immer noch populäre Eleazar Rodriguez als Beppe. Johannes Willig dirigierte und ein wenig kann man den Abschied von dieser so unmittelbaren Produktion bedauern. Dieses Doppel hat durch seine konzeptionelle Geschlossenheit funktioniert.