Abgefertigt
Wie konnte man diese schöne Oper nur so desinteressiert und gedankenlos inszenieren? Es lag nicht an Sängern und Musikern, daß man das Publikum mit dieser Produktion nicht erreichte.
Gelungen ist die Inszenierung dort, wo sie sich zurückhält, sie scheitert an der Umdeutung. Man kennt die Enge und Borniertheit des Karlsruher Schauspiels und seines aktuellen Fetischthemas des vermeintlichen "Patriarchats", das quasi wie einst das "Finanzjudentum" das gegenwärtige Feindbild darstellt, an dem man sich im Theater mit Ressentiments abreagieren will, und das auch die Oper erreicht hat. Die Wirren der französischen Revolution als patriarchalisches Thema zeigen zu wollen, wirkt in seiner Aufgepropftheit auf dämliche Weise ideologisch, weil man sich nicht traute das Kernelement der Oper -der Katholizismus als eine Möglichkeit geistiger Zuflucht - zu inszenieren. Das Publikum muß leiden, damit Regie und Dramaturgie sich selbstbefriedigen können. Aber wieso eine Oper überhaupt auf den Spielplan stellen, wenn man damit nichts anfangen kann? Operndirektor von Bernuth scheint auch bereits im Durchwurstel- und Absitz-Modus. Mal schauen, ob in der kommenden Saison das Niveau wieder steigt.
Es war gestern, wie auch bei den Aufführungen zuvor, viel Platz, Musiker und Sänger hätten mehr Zuspruch verdient, aber die wollte ihnen der Operndirektor mit dieser Produktion leider nicht gönnen. Die letzte Vorstellung ist abgefertigt.