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Montag, 17. November 2025

Wagner - Lohengrin, 16.11.2025

Korrelation ohne Kausalität ergibt Konturlosigkeit
Nachdem der vorangegangenen Interimsintendanz 2022 Der fliegende Holländer und 2024 Tannhäuser mißlangen, lag die Meßlatte für den neuen Lohengrin nicht allzu hoch. Operndirektor von Bernuth ist es bei seiner ersten Karlsruher Wagner-Produktion dennoch nicht gelungen, sich nach oben zu befreien. Was gestern bei der Premiere gezeigt wurde, ist erneut eine sinnschwach aufgepropfte Regiearbeit, die bestenfalls einen fragwürdigen voyeuristischen Wert hat: man verfolgt das dünn konstruierte Geschehen wie einen Unfall, bei dem man nicht wegblicken kann. Man kann einem Regisseur dabei zusehen, wie er sich verrennt, verirrt und sich zusehends in seinen Irrweg reinsteigert und dabei komplett die Fäden aus der Hand verliert. Dies wirkt sich auch sängerisch und musikalisch nicht vorteilhaft aus.

Sonntag, 5. Oktober 2025

Rameau - Les Boréades, 04.10.2025

Spätbarocke Ballett-Oper im Dienste anti-absolutistischer Aufklärung
Vieles ist bemerkenswert an Rameaus letzter Oper Les Boréades. Zuerst, daß man nun in Karlsruhe endlich erstmals französischen Barock präsentiert bekommt, der sich von dem bei den jährlichen Händel-Festspielen musizierten italienischen Stil u.a. darin unterscheidet, daß er sich am höfischen Geschmack von Versailles orientierte, einen Hang zu Prunk und festlichen Tableaus übernahm und die fünfaktig strukturierte Oper als frühes Gesamtkunstwerk auch oft viele Tanzeinlagen, Chöre und Divertissements hatte. Auf lange Da-capo-Arien wurde zudem zugunsten kürzerer Arien verzichtet und Kastraten kamen kaum zum Einsatz. Wie fremd diese Stilrichtung in Deutschlands Opernhäusern geblieben ist, kann man bspw. daran erkennen, daß der Karlsruher Operndirektor Christoph von Bernuth an seiner früheren Wirkungsstädte die deutsche Erstaufführung der Boreaden über 250 Jahre nach der Entstehung inszenierte, die nun als Übernahme auch am Staatstheater vom Publikum bewundert werden kann. Vieles war bemerkenswert an der sehr gelungen gestrigen Premiere, insbesondere die bravourös auftrumpfenden Sängerinnen Anastasiya Taratorkina und Martha Eason, der von Dirigent Attilio Cremonesi mit der Badischen Staatskapelle in historisch informierter Aufführungspraxis zelebrierte Barockklang, Solisten, Chor und Tänzer. Der Mut zur Rarität wurde gestern mit viel Jubel belohnt.

Sonntag, 25. Mai 2025

Tschaikowsky - Eugen Onegin, 24.05.2025

Seelenschilderung vor symbolischer Landschaft 
Eigentlich sollte Tschaikowskys Oper nicht Eugen Onegin heißen, sondern Tatjana, denn nicht dem titelgebenden Schnösel gehört das Mitgefühl des Publikums, sondern der von ihm verschmähten Frau. Tschaikowsky bezeichnete seine Oper ausdrücklich als "Lyrische Szenen", und jede Inszenierung, die auf die Musik hört, muß einen Weg finden, sich auf die inneren Bewegungen der Figuren, auf intime und psychologisch feinfühlige Motive und leise Gefühlsregungen zu konzentrieren. Der neuen Karlsruher Inszenierung gelingt das in einer durchweg werkgemäßen und damit überraschungsfreien, aber auch etwas nüchtern-leidenschaftslosen Weise, die getragen von den famosen Sängern und Musikern gestern eine gute Premiere feierte.

Montag, 30. September 2024

Smyth - The Wreckers, 29.09.2024

Spannend, mitreißend und umjubelt
Es hatte sich ja bereits abgezeichnet, daß das Herzblut des neuen Intendanten Christian Firmbach der größten Sparte gehört und die Ära der falschen Wertigkeiten nun endgültig vorbei sein sollte. Die gestrige erste Opernpremiere des neuen Operndirektor Christoph von Bernuth war mit Spannung erwartet und endete als voller Erfolg mit mitreißender sängerischer und orchestraler Leistung und einer gelungenen Inszenierung, die aus Ethel Smyths vergessener Oper The Wreckers einen spannenden Thriller macht.