Der Umbau als Alibi für schwindende Zuschauer
Nichts sollte aktuell leichter zu erreichen sein als volle Theater. Immerhin erreichen die geburtenstarken Jahrgänge langsam die Rente und haben nach einer langen, produktiven und wirtschaftlich erfolgreichen Ära Zeit für Geselligkeit und abendliche Unterhaltung. Die Demographie spricht aktuell für die Bühnen, wer auswärts versucht, für Vorstellungen in renommierten Häusern Karten zu bekommen, weiß, daß man schon rechtzeitig schauen muß, um an gute Karten zu kommen. In Karlsruhe trifft das nur noch bei den Händel-Festspielen und bei seltenen Leuchtturm-Produktionen zu (Dracula war stets ausverkauft). Denn gerade in Karlsruhe will man dieses Publikum leider nicht ansprechen. Damit man ja nicht die falschen Zuschauer anlockt, hat man bekanntlich die Maßnahmen für die Außendarstellung stark reduziert, das Theater ist unsichtbarer geworden, insbesondere das Schauspiel agiert als Klienteltheater und hat in der abgelaufenen Spielzeit die geringsten Besucherzahlen. Viel finanziell interessantes Publikum bleibt weg und wird durch das Karlsruher Theater gar nicht erst angesprochen.
Intendant Firmbach ist nach zwei Spielzeiten nicht auf der Erfolgsspur, manches hat sich aus Zuschauersicht zwar normalisiert, aber der erhoffte Umschwung hin zu mehr Abwechslung ist nicht eingetreten. Wer sich vom Intendanten neuen Schwung erhofft hat, kann nur enttäuscht sein, die erhoffte Aufbruchstimmung flachte schnell ab. Und man sollte sich nicht täuschen lassen: die finanziellen Probleme der Stadt Karlsruhe, Kürzungen und Neubau sind nicht pauschal für die sinkenden Zuschauerzahlen (Rückgang zum Vorjahr: ca. 5%) verantwortlich. Beim Vergleich mit der nicht gerade rosigen Spielzeit 2018/2019 zeigen sich sich in fast allen Sparten sinkende Auslastungen:
Seit 1988 bin ich steter Besucher des Badischen Staatstheaters. Bei vielen Opern-, Theater-, Konzert- und Ballettvorstellungen im Jahr und Besuchen in anderen Städten verliert man schon mal den Überblick. Dieser Tagebuch-Blog dient mir seit der Spielzeit 2024/2025 als elektronische Erinnerung. Bitte beachten Sie meine Intention: ich bin kein Journalist oder Kritiker, sondern schreibe hier lediglich persönliche Eindrücke, private Ansichten und Vermutungen für mich und Angehörige nieder.
Sonntag, 26. Juli 2026
Der verpuffte Intendanzwechsel
Donnerstag, 8. Mai 2025
Vorschau auf die Spielzeit 2025/2026
Etwas ambitionierter bitte
Es war ein ordentliches erstes Jahr, das der neue Intendant Firmbach nach Amtsantritt ablieferte, vieles gelang, manches nicht. Eine gelungene Aufbruchstimmung fühlt sich anders und begeisternder an. Die Frage, ob man Firmbach über 2029 verlängern sollte, kann man nach dieser Spielzeit nicht eindeutig mit Ja beantworten.
Wer sich letztes Jahr vor dem Wechsel des Leitungsteams aus Oldenburg ans Badische Staatstheater mit dem dortigen Opernprogramm auseinandersetzte, der konnte manches Repertoire entdecken, das auch gut nach Karlsruhe gepaßt hätte. Operndirektor Christoph von Bernuth greift nun einiges auf, was er zuvor an früherer Wirkungsstätte bereits auf die Bühne gebracht hat. Für Opern-Fans verspricht die kommende Saison durchaus spannend zu werden.
Das Ballett bietet 2025/26 nichts Bekanntes oder Beliebtes. Raimondo Rebeck ist ein glückliches Händchen bei der Auswahl der Choreographien zu wünschen.
Und ob das in der Sackgasse befindliche Schauspiel endlich die Wende schafft und aus der Krise kommt, scheint fraglich. Erfolgsstücke hat man schon lange nicht mehr produziert, ob man sich von der gewollten Verengung des Klienteltheateransatzes befreien kann, darf bis zum Gegenbeweis bezweifelt werden. Nichts deutet darauf hin, daß die Stagnation beendet werden könnte. Der fehlende Mut zu mehr Vielfalt und Abwechslung im Schauspiel ist die größte Bürde der neuen Intendanz.