Dienstag, 1. September 2026

Das Wie und Wo des Sparens (2)

Die Oper als Opfer
Die Intendanz des Badischen Staatstheaters steht offenbar intern nicht gut da (mehr hier), doch auch aus Publikumssicht ist Kritik angebracht, denn die Oper muß für Akuteinsparungen herhalten: Das Sänger-Ensemble ist unter die Größe von Schauspiel und Ballett geschrumpft. Intendant Firmbach verantwortet einen Tiefpunkt in der jüngeren Geschichte des Hauses.

In der Saison 2006/07 hatte die Oper 28 Sänger im Ensemble, 2016/27 waren es 25, in der kommenden Spielzeit startet man nur noch mit 21 festangestellten Sängern in die Spielzeit. 
Auch das Ballett wurde zusammengestrichen: 2006/07 bestand die Kompagnie aus  29 Tänzern, 2016/17 sogar aus 31, aktuell sind es 26. Die beiden Sparten, die im Großen Haus für die meisten Zuschauer sorgen, sind zum Stiefkind der Intendanz geworden. Eine  kulturpolitische Botschaft, die man aus Zuschauersicht nur mit Buhrufen und dem schönen Theaterbrauch beantworten kann, die Verantwortlichen mit angemessenen Wurfgeschossen wie überreife Tomaten und faule Eier von der Bühne zu jagen. 

Denn nun wird es abstrus: 26 Schauspieler gehörten 2006/07 zum Ensemble, 2016/17 waren es 24, nun sind es wieder 26. Nur wieso? Aufgrund des Umbaus hat man keine Studio-Bühne mehr zur Verfügung, die Anzahl der Vorstellungen ist drastisch gesunken. Die Zuschauerzahlen haben sich innerhalb des letzten Jahrzehnts mehr als halbiert, die vergangene Saison bildet einen Tiefpunkt, gerade noch  ca. 32.000 Besucher, weniger als im Kindertheater (mehr auch hier).  

Die Frage drängt sich daher auf: Warum werden Sänger und Tänzer eingespart, obwohl das Große Haus noch zwei Jahre bespielbar ist, während das Schauspiel trotz deutlich reduzierter Vorstellungszahl personell unangetastet bleibt?

Es mag praktische Gründe haben, einige Sänger sind gegangen, darunter Martha Eason, Florence Losseau, Paulina Linnosaari, Dorothea Spilger und Brett Sprague. Den Verlust hat man einfach hingenommen und sich programmatisch eingeschränkt. Der eigentliche Befund lautet: Die Intendanz ist offenbar bereit, das musikalische Zentrum des Hauses zu schwächen, um ein mittlerweile reduktionistisch verkümmertes Schauspiel zu schonen, das sich nur noch durch Ressentiments und Feindbilder zu präsentieren scheint.  Das ist keine beiläufige Personalmaßnahme, sondern eine kulturpolitische Farce – und Intendant Firmbach muß sie sich zurechnen lassen.

Ebenso bedrückend ist der Umgang mit dem Publikum. Über Entscheidungen wird kaum transparent informiert; eine nachvollziehbare Begründung bleibt aus. In Sachen Kommunikation und Verantwortungsbereitschaft ist das Karlsruher Theater unsichtbar. Ein hierarchisches Haus, das von oben nach unten funktioniert, scheint sich vor allem an der Politik zu orientieren und immer weniger an den Menschen, die seine Karten kaufen.

Fazit: ,Die Oper wird geschrumpft, das Schauspiel alimentiert und das Publikum abgespeist. Wenn das die Zukunftsstrategie des Badischen Staatstheaters sein soll, bleibt nur ein angemessenes Urteil gegenüber der Intendanz:  Buuuuuh!!! [einschließlich virtueller Wurfgeschosse]. 

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