Das Sprechtheater des Badischen Staatstheaters ist in der Dauerkrise, nun wurde überraschend bekannt, daß es ab 2027/2028 wieder einen neuen Schauspieldirektor geben wird.
Das Karlsruher Schauspiel dümpelt seit geraumer Zeit in den Niederungen des Klienteltheaters, etwas Borniertes und Spießiges müffelt dem Publikum unangenehm entgegen, ein Theater des Ressentiments, das Feindbilder braucht, Figuren denunziert, das keine Fragen stellt, sondern antworten geben will. Seit dem Abgang von Knut Weber als Schauspieldirektor vor langen 15 Jahren war man nicht mehr satisfaktionsfähig. Wer vor zwei Jahren seine Hoffnung in Claus Caesar setzen wollte, würde schnell enttäuscht: als Schauspieldirektor kam er in Karlsruhe nie an, nun wurde bekannt, daß er in einem Jahr auch schon wieder weg sein wird. Er blieb dem Publikum alles schuldig, Kreativität oder Innovation waren nie seine Markenzeichen, er administrierte uninspiriert über seine Interimsjahre und hinterließ dabei den verstärkten Eindruck, daß das Karlsruher Sprechtheater auch charakterlich dubios aufgestellt ist. Zu Caesars Entlastung mag man anführen, daß ihm kein wirklicher Neustart möglich war. Er war anscheinend gezwungen, mit dem bestehenden Ensemble weitestgehend weiterzuarbeiten.
Schlimmer geht's (n)immer?
Ab der Spielzeit 2027/2028 wird nun Ursula Thinnes (*1967) neue Schauspieldirektorin. Einen Posten, den sie aktuell in Braunschweig inne hat, davor war sie Dramaturgin in Konstanz, Saarbrücken und Frankfurt. Auch sie startet mit den Handicap der fehlenden Aufbruchstimmung: sie übernimmt anscheinend weitestgehend das Personal, das ihr hinterlassen wird. Sie erhält das Privileg, das neu gebaute Schauspielhaus einzuweihen
Das Ende des Elends?
Wie schön wäre es, wenn es Frau Thinnes gelingen würde, mit alten Kräften neue Funken zu schlagen und das Schauspiel endlich wieder unter Spannung zu setzen. Wenn sie hingegen ihre letzten Jahre vor der Rente gemütlich über die Runden bringen will, wird die Stagnation im Sprechtheater kein Ende finden. Man baut für zig Millionen Euro ein neues Schauspielhaus, verweigert dem Publikum aber Aufbruchstimmung und Vorfreude. Es sind die dürren Jahre, die man als Publikum aktuell am Badischen Staatstheater erlebt. Was bleibt einem als Stammzuschauer übrig? Glaube, Liebe, Hoffnung! Irgendwann gibt es auch in Karlsruhe wieder ein relevantes, neugieriges, geistvolles und unterhaltsames Schauspiel. Der Autor dieser Zeilen mag nur leider nicht daran glauben, daß dies bereits in einem Jahr so weit sein wird.
Das ist ja eine erfreuliche Überraschung! Aber: wird Frau Thinnes wirklich den Umbruch schaffen, wenn sie - wie in diesem Kommentar erwähnt - mit bestehendem Personal startet? Wer in den letzten zwei Jahren das Karlsruher Schauspiel besucht und dabei den Fehler begangen hat, eine Einführung durch dessen Dramaturgie zu besuchen, mag daran zweifeln. Denn die belehrende Überheblichkeit dieser "woken" Dramaturgen lässt auch den noch so ambitioniertesten Theaterabend in Karlsruhe trüb erscheinen. Stetig fühlt man sich schon in der Einführung akademisch belehrt, bekommt das Gefühl das Feindbild der folgenden Inszenierung zu sein und überhaupt strahlen die Dramaturgen des Schauspiels aus, Karlsruhe sei deutlich unter ihrem Niveau. Genau so dringend wie ein Wechsel der Direktion, erscheint mir da ein Wechsel in der Dramaturgie. Oder sogar noch dringender?
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