Montag, 23. Februar 2026

Tamerlano, 22.02.2026

Der diesjährige Tamerlano ist eine einmalige musikalische Gastproduktion für die Händel-Festspiele 2026, die nächstes Jahr nicht wieder aufgenommen wird. Die Inszenierung ist als noch nicht voll ausgereifte Zurschaustellung kommender medialer Möglichkeiten eher Selbstzweck denn Gesamtkunstwerk. Doch abgesehen davon  kann man sich auf das konzentrieren, was das eigentliche Besondere dieser Produktion ist: Nach über 25 Jahre musizierte mit dem Freiburger Barockorchester einer der renommiertesten deutschen Klangkörper alter Musik endlich mal wieder in Karlsruhe, und das auch noch mit René Jacobs als Dirigent.

Insbesondere die Ensemblehomogenität und Spielfreude des Freiburger Barockorchesters gehen ins Ohr. Die Klangkultur des Ensembles beruht auf einem transparenten, schlanken, doch in den Farben erstaunlich sattem Orchesterklang, der Polyphonie freilegt, statt sie zu überdecken. René Jacobs steht wie kaum ein anderer dafür, historische Aufführungspraxis nicht als dogmatische Lehre, sondern als lebendige Interpretationskunst zu begreifen. Ausgehend von seiner Laufbahn als Countertenor entwickelte er eine Dirigierhandschrift, in der ein feines Gespür für Sprachrhythmus und Affekte zusammenfinden. Jacobs ist nicht mehr der jüngste, manche Tempi geraten inzwischen breiter, doch die klangliche Plastizität, biegsame Phrasierung und eine farbenreiche Rhetorik, gerade auch die sprechenden Akzente in den hier grandios unterlegten Rezitativen, formen schöne Klangbilder. Dieser Tamerlano geriet nicht konsequent düster, die dramaturgische Besonderheit stand nicht so im Mittelpunkt, wie es bspw. von George Petrou zu erwarten gewesen wäre, der wahrscheinlich theatralischer, energetischer , herber und mit einem ausgeprägteren modernen dramaturgischen Instinkt vorgegangen wäre. Und so sind Stärken und Schwächen dieser Produktion auf die fehlende Handlungsdichte und spannungsvolle Dringlichkeit zurückzuführen. Tamerlano berührt nicht, läßt einen nicht nach vorne im Sitz rutschen. Der Wohlklang und die mediale Spielerei machte die diesjährige Händel-Oper aus. Das überzeugende Ganze entstand dieses Jahr nicht.