Es blieb seltsam ruhig, als es sich im Herbst abzeichnete, daß die Stadt 8,7% weniger für das Badische Staatstheater bereitstellen würde. Immerhin hatte Intendant Firmbach am Ende der letzten Spielzeit die Einsparung mit der Schließung von Sparten verbunden. Plötzlich hörte man davon kein Wort mehr. Es scheint, als ob den Verantwortlichen die Pointe damals schon bekannt war: das Land zahlt ab 2026 mehr als die Stadt.
Der laufende Betrieb des Badischen Staatstheaters wird im Grundsatz je zur Hälfte von der Stadt Karlsruhe und vom Land Baden‑Württenberg finanziert. Grundlage ist ein Vertrag (oft als Verwaltungsstatut bzw. Staatsvertrag bezeichnet) zwischen dem Land und der Stadt Karlsruhe aus dem Jahr 1956 in dem dies ausdrücklich geregelt ist. Diese Regelung gilt in aktualisierter Vertragsfassung bis heute fort. Laut Berichten zum Karlsruher Doppelhaushalt 2026/27 soll der Zuschuss der Stadt für das Badische Staatstheater um rund 2,4–2,5 Millionen Euro pro Jahr gekürzt werden (etwa 8,7 %). Diese Reduzierung betrifft den städtischen Anteil im bisherigen 50:50‑Modell und hätte ohne Reaktion des Landes eigentlich eine entsprechende Minderung der Landesmittel nach sich gezogen. Das Wissenschafts- und Kunstministerium erklärt ausdrücklich, daß das Land den für 2026 vorgesehenen Landesanteil für die Staatstheater in Karlsruhe und Stuttgart trotz der kommunalen Kürzungen vollständig auszahlen wird. Gleichzeitig wird betont, daß der vertragliche Grundsatz der 50:50‑Kofinanzierung bestehen bleibt, das Land aber in Vorleistung geht und der Ausgleich der Verhältnisse über einen längeren Zeitraum erfolgen soll.
Für 2026 ist klar: Der Landeszuschuss bleibt stabil, während die Stadt kürzt, so daß der reale Anteil des Landes am Gesamtbudget höher ist als der der Stadt. Für 2027 liegt bisher nur vor, daß die Stadt Einsparungen ab 2027 fest einplant, während das Land ankündigt, die Kofinanzierung nicht kurzfristig an die Kürzungen anzupassen; damit ist davon auszugehen, daß das Land auch 2027 voraussichtlich mehr als die Stadt zahlt, formell aber am langfristigen Ziel eines 50:50‑Verhältnisses festhalten will.
Durch den Verzicht des Landes wird aus den 8,7% Kürzung der Stadt eine Gesamteinsparung von ca. 4,35% weniger Budget für das Badische Staatstheater. Das ist schon einiges weniger und immer noch viel. Welche Maßnahmen nun ergriffen werden müssen, bleibt abzuwarten. Eine deutliche Steigerung der Eintrittspreise dürfte sich als kontraproduktiv erweisen, es scheint, daß das Publikum dann noch öfter fernbleibt und seltener kommt.
Doch was ist, wenn das Land feststellt, daß die Stadt Karlsruhe auch über 2027 hinaus das Theater nicht mehr wie zuvor weiterfinanzieren kann? Man möchte dem Badischen Staatstheater fast empfehlen, Landeskürzungen in mittelbarer Zukunft einzuplanen. Ein finanzielles Zurück könnte es über einen längeren Zeitraum nicht geben, eine ideologisch verbohrte Politik scheint den zukünftigen Fokus nicht auf Erwirtschaften, sondern auf Schröpfung der Bürger zu legen. Es stehen noch einige unruhige Jahre bevor, am Theater sollte man damit rechnen.
@anonym: Vielen Dank für die Hintergrund-Informationen ;-)
AntwortenLöschenLeider spricht das BST das junge Publikum nicht an und das ganze Projekt einer solchen Institution ist nicht mehr zeitgemäß. Somit schrumpft die Besucherzahl mit dem Sterben der älteren Besucher*innen.
AntwortenLöschenVielen Dank für Ihren Kommentar. Bzgl. junges Publikum: ich bin seitdem ich Jugendlicher in den 1980er war, ständiger Gast im Theater. Damals war ich gefühlt oft der jüngste und in meiner Altersklasse der einzige freiwillige Besucher. Das Publikum empfand ich damals als steinalt. Über vier Jahrzehnte ist mir dann aufgefallen, daß sich das Alter des Publikums nicht ändert. Es waren immer Zuschauer in der Altersklasse 50+, die das Publikum dominierten. Zum Theater kommen die Besucher oft später im Leben, wenn die äußeren, beruflichen und familiären Umstände es besser erlauben. Das junge Publikum ist keine wichtige Zielgruppe, egal, was man so alles veranstaltet, in Oper und Konzert kommen nur wenige danach freiwillig. Nur im Ballett gibt es m.E. einen höheren weiblichen und jüngeren Zuschauerstamm. Und im Schauspiel gab es früher die kleineren Bühnen, die bei ihrem Einkommen das Schülertheater benötigen. Ich sehe also das "junge Publikum" nicht als wichtige Zielgruppe an, ganz im Gegenteil: man muß sich in den nächsten zwei Jahrzehnten verstärkt um die nun in Rente gehenden geburtenstarken Jahrgänge kümmern.
LöschenBzgl. junges Publikum: Aus meinem Umfeld habe ich schon die Beschwerde gehört, daß es in Karlsruhe modisch so unschick zugeht und junge Leute das Theater nicht richtig als Ort nutzen können, um sich mal richtig aufzustylen.
Und der Institution Oper und Theater wurde schon oft das kommende Aus bescheinigt. Eingetreten ist das nie, man passt sich an, Generationen und Einstellungen ändern sich stetig. Falls die ganz alten mal weg sind, entdecken vielleicht doch wieder mehr Junge, was für ein kostbares Gut Live-Vorstellungen sein können. Und noch eines: man investiert nun hunderte Millionen in ein großes und schickes Theater. Seitdem es das neue KSC-Stadion gibt, sind die Zuschauerzahlen gestiegen. Als 1976 endlich der Neubau des Badischen Staatstheaters eröffnet wurden, strömte das Publikum. Die Inbetriebnahme des neuen großen Theatergebäudes ist auch eine Chance, um mehr 50+ Publikum anzulocken und einen Ort zu bieten, an dem man sich treffen kann