Samstag, 28. Februar 2026

Händel - Rinaldo, 27.02.2026

Die Wiederaufnahme des letztjährigen Rinaldo (mehr hier) bestätigte Stärken und Schwächen des Vorjahrs, eine bemerkenswert phantasievolle Inszenierung, deren Personenregie am Schluß etwas makaber wird, sängerisch nicht optimal besetzt und etwas gleichförmig, aber schön musiziert. Die prunkvollere erste Version des Rinaldo von 1711 ist dieser von 1731 klar vorzuziehen. Sängerisch bleiben insbesondere Suzanne Jerosme in Erinnerung, die man demnächst auch als Blanche im Dialog der Karmeliterinnen erleben darf, sowie der Tenor mit dem klangvollen Namen Jorge Navarro Colorado. Sowohl Rinaldo als auch dieses Jahr Tamerlano zeigen prinzipiell eine inszenatorische Richtung auf, die man hoffentlich auch zukünftig verfolgt, eine Mischung aus Phantasie, Freude und Spektakel.

Montag, 23. Februar 2026

Händel - Tamerlano, 22.02.2026

Der diesjährige Tamerlano ist eine einmalige musikalische Gastproduktion für die Händel-Festspiele 2026, die nächstes Jahr nicht wieder aufgenommen wird. Die Inszenierung ist als noch nicht voll ausgereifte Zurschaustellung kommender medialer Möglichkeiten eher Selbstzweck denn Gesamtkunstwerk. Doch abgesehen davon  kann man sich auf das konzentrieren, was das eigentliche Besondere dieser Produktion ist: Nach über 25 Jahre musiziert mit dem Freiburger Barockorchester einer der renommiertesten deutschen Klangkörper alter Musik endlich mal wieder in Karlsruhe, und das auch noch mit René Jacobs als Dirigent.

Samstag, 21. Februar 2026

Händel - Tamerlano, 20.02.2026

Gekoppelt gedoppelt
Tamerlano gilt als eine von Händels bedeutendsten Opern und insbesondere aufgrund des Finales als Händels düsterste und grimmigste Oper, die mehrere Konventionen der Barockoper durchbricht. Die rezitativreiche Handlung zieht sich wie eine Schlinge immer weiter zu. Die Hauptfigur Bajazet ist eine Tenorpartie - ungewöhnlich für das damalige Opernfeld, das von Kastraten dominiert war; Bajazets Tod kurz vor Ende der Oper gilt als einer der tragischen Höhepunkte in Händels Opernschaffen und überschattet das üblicherweise glückliche Ende der Barockoper. Die neue Karlsruher Inszenierung setzt auf  medial-filmische Schaueffekte und lebt von starken Sänger, die in Großaufnahmen auch als Schauspieler überzeugen können, sowie vom Altmeister barocker Aufführungspraxis René Jacobs und dem von ihm geleiteten Freiburger Barockorchester. Viel freundlicher Applaus und Bravos belohnten die gestrige Premiere.

Freitag, 20. Februar 2026

Der Vorverkauf für die Händel Festspiele 2027 ist gestartet

Über die Besetzung ist noch nichts bekannt, mit Faramondo und Floridante (mehr hier) hat man dankenswerter Weise zwei spannende Opern, die es bisher bei den Karlsruher Händel-Festspielen noch nicht zu hören gab (und wenn man zu den 50. Händel-Festspielen 2028 dann noch Sosarme spielt, hat man es zum Jubiläum geschafft, alle Händel-Opern bei den Festspielen gezeigt zu haben!). Die Ticketpreise sind deutlich gestiegen, die günstigsten Karten liegen bei 34€, die teuersten bei 134€.
Faramondo wird am 18.02./20.02/21.02./27.02. und 04.03.2027 gespielt, Floridante am 28.02./02.03./05.03 und 07.03.2027. Auch ein Gala-Konzert am 19.02.2027 ist im Verkauf. Auch hier kauft man aktuell noch die Katze im Sack, nix Genaues weiß man noch nicht. Auf der Webseite des Badischen Staatstheaters finden sich nur Hinweise zum Produktionsteam, und zwar hier für Faramondo und hier für Floridante.

Montag, 9. Februar 2026

Bruno de Sá bei den Händel-Festspielen 2026

Pssst! Nicht, daß es noch jemand erfährt. Bei der anstelle des Farinelli-Wettbewerbs angesetzten Farinelli-Gala (mehr hier) wird neben den Preisträgern des letzten Jahres - Dennis Orellana, Rémy Brès-Feuillet und Lidor Ram Mesika - und dem den Rinaldo darstellenden Routinier Lawrence Zazzo auch tatsächlich einer der aktuellen Stars der Barockszene erstmals in Karlsruhe auftreten: der brasilianische Sopranist Bruno de Sá! Seine Stimme ist spektakulär hoch und hat eine außergewöhnliche Klangfarbe, er verbindet Virtuosität und  Ausdruckskraft, inklusive verblüffender  Koloraturen und Verzierungen. Beim Label Erato liegen zwei Solo-CDs von ihm vor  (Roma Travestita und Mille Affetti), bei DHM singt er auf Dorothee Oberlingers Einspielung Baroque Influencer mit Musik von Alessandro Scarlatti und er ist u.a. bei der bemerkenswerten Einspielung von Adolf Hasses Oratorium Serpentes Ignei in Deserto beteiligt. Nun kann man ihn am 02.03.2026 erstmals in Karlsruhe hören. Aber Psst! So richtig kommunizieren will man das am Badischen Staatstheater bisher nicht.

Sonntag, 1. Februar 2026

Mazzoli - Breaking the Waves, 31.01.2026

"Selig sind, die da geistlich arm sind, denn das Himmelreich ist ihr."
Ein klassisches Motiv der romantischen Oper ist die Frau, die sich für den geliebten Mann opfert oder ihr Leben ganz in seinen Dienst stellt, bspw. Senta schwört dem Fliegendem Holländer Treue bis zum Tod und stürzt sich am Ende ins Meer, um ihn durch ihre Treue zu erlösen; Gilda in Rigoletto läßt sich anstelle des unsympathischen Herzogs von Mantua töten und opfert so bewußt ihr Leben für den Mann, den sie liebt; Liu in Puccinis Turandot liebt den Prinzen Kalaf und ersticht sich selbst, damit sie seinen Namen nicht verrät und er überlebt. Auch in Breaking the Waves opfert sich die gläubige, etwas naive  weibliche Hauptrolle, um ihren Mann zu retten, aber was romantisch mit dem Opfertod endet, hat auch eine starke psychologische Komponente und behauptet eine altmodische gesellschaftskritische Relevanz. Nun kennt man das aus dem deutschen Regietheater der letzten Jahrzehnte: romantische Opern werden dekonstruiert, psychologisiert und neu zusammengesetzt, die Selbstaufopferung wird weniger verherrlicht als problematisiert; Das Ergebnis wirkt auf das Publikum oft gezwungen, verzerrt und verkrampft (aktuelles Beispiel: Lohengrin). Bei Breaking the Waves geht die Karlsruher Regie nun seltsamerweise den entgegengesetzten Weg: die arg konstruiert wirkende Handlung der Oper wird entpsychologisiert und romantisiert, die psychisch labile Hauptfigur wird entlastet und verklärt - das Ergebnis wirkt für manche Opernkenner ein wenig wie eine Parodie. Inszenatorisch mag die Oper etwas schlicht geraten sein, doch vor allem sängerisch trumpfen Martha Eason und Tomohiro Takada in einem homogenen Ensemble groß auf!