Montag, 9. Februar 2026

Bruno de Sá bei den Händel-Festspielen 2026

Pssst! Nicht, daß es noch jemand erfährt. Bei der anstelle des Farinelli-Wettbewerbs angesetzten Farinelli-Gala (mehr hier) wird neben den Preisträgern des letzten Jahres - Dennis Orellana, Rémy Brès-Feuillet und Lidor Ram Mesika - und dem den Rinaldo darstellenden Routinier Lawrence Zazzo auch tatsächlich einer der aktuellen Stars der Barockszene erstmals in Karlsruhe auftreten: der brasilianische Sopranist Bruno de Sá! Seine Stimme ist spektakulär hoch und hat eine außergewöhnliche Klangfarbe, er verbindet Virtuosität und  Ausdruckskraft, inklusive verblüffender  Koloraturen und Verzierungen. Beim Label Erato liegen zwei Solo-CDs von ihm vor  (Roma Travestita und Mille Affetti), bei DHM singt er auf Dorothee Oberlingers Einspielung Baroque Influencer mit Musik von Alessandro Scarlatti und er ist u.a. bei der bemerkenswerten Einspielung von Adolf Hasses Oratorium Serpentes Ignei in Deserto beteiligt. Nun kann man ihn am 02.03.2026 erstmals in Karlsruhe hören. Aber Psst! So richtig kommunizieren will man das am Badischen Staatstheater bisher nicht.

Sonntag, 1. Februar 2026

Mazzoli - Breaking the Waves, 31.01.2026

"Selig sind, die da geistlich arm sind, denn das Himmelreich ist ihr."
Ein klassisches Motiv der romantischen Oper ist die Frau, die sich für den geliebten Mann opfert oder ihr Leben ganz in seinen Dienst stellt, bspw. Senta schwört dem Fliegendem Holländer Treue bis zum Tod und stürzt sich am Ende ins Meer, um ihn durch ihre Treue zu erlösen; Gilda in Rigoletto läßt sich anstelle des unsympathischen Herzogs von Mantua töten und opfert so bewußt ihr Leben für den Mann, den sie liebt; Liu in Puccinis Turandot liebt den Prinzen Kalaf und ersticht sich selbst, damit sie seinen Namen nicht verrät und er überlebt. Auch in Breaking the Waves opfert sich die gläubige, etwas naive  weibliche Hauptrolle, um ihren Mann zu retten, aber was romantisch mit dem Opfertod endet, hat auch eine starke psychologische Komponente und behauptet eine altmodische gesellschaftskritische Relevanz. Nun kennt man das aus dem deutschen Regietheater der letzten Jahrzehnte: romantische Opern werden dekonstruiert, psychologisiert und neu zusammengesetzt, die Selbstaufopferung wird weniger verherrlicht als problematisiert; Das Ergebnis wirkt auf das Publikum oft gezwungen, verzerrt und verkrampft (aktuelles Beispiel: Lohengrin). Bei Breaking the Waves geht die Karlsruher Regie nun seltsamerweise den entgegengesetzten Weg: die arg konstruiert wirkende Handlung der Oper wird entpsychologisiert und romantisiert, die psychisch labile Hauptfigur wird entlastet und verklärt - das Ergebnis wirkt für manche Opernkenner ein wenig wie eine Parodie. Inszenatorisch mag die Oper etwas schlicht geraten sein, doch vor allem sängerisch trumpfen Martha Eason und Tomohiro Takada in einem homogenen Ensemble groß auf!

Sonntag, 25. Januar 2026

Poulenc - Dialogues des Carmélites, 24.01.2026

Das Mysterium des Glaubens 
Was wäre das Christentum ohne seine Märtyrer? Die Handlung von Francis Poulencs (*1899 †1963) 1957 uraufgeführten Oper Dialog der Karmeliterinnen basiert auf der 1931 erschienen Novelle Die Letzte am Schafott der fast vergessenen deutschen Schriftstellerin Gertrud von le Fort (*1876 †1971), die wiederum auf wahren Begebenheiten beruht:  Am 17. Juli 1794 wurden während der brutalsten Phase der französischen Revolution 16 Nonnen des Karmeliterinnen-Ordens in Paris durch die Guillotine hingerichtet, weil sie sich geweigert hatten, ihr Ordensgelübde zu brechen. Doch die Verfolgung von Christen ist kein Relikt vergangener Zeiten. Christen sind die weltweit am meisten bedrängte Glaubensgemeinschaft. Der Blutzoll ist hoch, doch die aktuellen Märtyrer- und Leidensgeschichten bleiben unerzählt. Auch in Europa gibt es Intoleranz und Diskriminierung gegen Christen, das Ausmaß antichristlicher Straftaten - Kirchenvandalismus, Brandstiftung und körperliche Gewalt gegen Priester - nimmt zu.  Auch sonst fällt auf, daß Weihnachtsmärkte ebenso wie jüdische Feste potentielle Angriffsziele geworden sind, die mit hohem Aufwand geschützt werden müssen. Der Haß auf das Christentum und die Christenverfolgung erfolgen oft unter Ausschluß der Öffentlichkeit. Von vielen Medien wird die religiöse Dimension von Konflikten heruntergespielt oder ignoriert; Man schaut gerne weg, um nicht verstehen zu müssen, wo die Realität nicht zum eigenen Wunschbild paßt.
Gestern gab es nun in Karlsruhe die Premiere eines Dialogs der Karmeliterinnen, die zu viel im Ungefähren beließ und die Handlung in eine nicht weiter ausgedeutete sozialistische Diktatur verlegt. Weil es der Regie nicht gelingt, ein überzeugendes Innen zu inszenieren, erfindet sie uninspiriert ein belangloses und nicht überzeugendes Außen hinzu, das der Oper nicht gut tut. Viele spannenden Momente verpuffen ideenlos. Dazu kommen uninspirierte Kostüme und eine unattraktive Bühne. Es ist den Sängerinnen und Musikern zu verdanken, daß diese wunderschöne Oper zumindest eine minimale Wirkung erzielte. Der Applaus war schnell endend wollend.

Donnerstag, 1. Januar 2026

Vor 100 Jahren: Josef Krips wird 1926 GMD in Karlsruhe

1926: Deutschlands jüngster GMD tritt seinen Posten in Karlsruhe an
Vier legendäre Dirigenten leiteten als Generalmusikdirektoren das Karlsruher Orchester: Hermann Levi (der in Bayreuth 1882 die Uraufführung des Parsifal dirigierte), Felix Mottl (der 1886 den allerersten Tristan in Bayreuth dirigierte), Joseph Keilberth (dessen Mitschnitt des Bayreuther Nibelungenrings von 1955 heute noch als Maßstab und Referenz gilt) und Josef Krips. Und ein fünfter sollte 1933 seine Karriere in Karlsruhe starten: Georg Solti (der 105 Grammy-Nominierungen erreichte und für seine Klassik-Aufnahmen zwischen 1962 und 1998 31 Grammy Awards gewann - ein Rekord, der erst 2023 von Beyoncé übertroffen wurde). Doch die Machtübernahme durch die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei vertrieb Solti und Krips, dessen bemerkenswerte Karlsruher Zeit und seine Karriere lohnen, in Erinnerung gerufen zu werden.