Das Mysterium des Glaubens
Was wäre das Christentum ohne seine Märtyrer? Die Handlung von Francis Poulencs (*1899 †1963) 1957 uraufgeführten Oper Dialog der Karmeliterinnen basiert auf der 1931 erschienen Novelle Die Letzte am Schafott der fast vergessenen deutschen Schriftstellerin Gertrud von le Fort (*1876 †1971), die wiederum auf wahren Begebenheiten beruht: Am 17. Juli 1794 wurden während der brutalsten Phase der französischen Revolution 16 Nonnen des Karmeliterinnen-Ordens in Paris durch die Guillotine hingerichtet, weil sie sich geweigert hatten, ihr Ordensgelübde zu brechen. Doch die Verfolgung von Christen ist kein Relikt vergangener Zeiten. Christen sind die weltweit am meisten bedrängte Glaubensgemeinschaft. Der Blutzoll ist hoch, doch die aktuellen Märtyrer- und Leidensgeschichten bleiben unerzählt. Auch in Europa gibt es Intoleranz und Diskriminierung gegen Christen, das Ausmaß antichristlicher Straftaten - Kirchenvandalismus, Brandstiftung und körperliche Gewalt gegen Priester - nimmt zu. Auch sonst fällt auf, daß Weihnachtsmärkte ebenso wie jüdische Feste potentielle Angriffsziele geworden sind, die mit hohem Aufwand geschützt werden müssen. Der Haß auf das Christentum und die Christenverfolgung erfolgen oft unter Ausschluß der Öffentlichkeit. Von vielen Medien wird die religiöse Dimension von Konflikten heruntergespielt oder ignoriert; Man schaut gerne weg, um nicht verstehen zu müssen, wo die Realität nicht zum eigenen Wunschbild paßt.
Gestern gab es nun in Karlsruhe die Premiere eines Dialogs der Karmeliterinnen, die zu viel im Ungefähren beließ und die Handlung in eine nicht weiter ausgedeutete sozialistische Diktatur verlegt. Weil es der Regie nicht gelingt, ein überzeugendes Innen zu inszenieren, erfindet sie uninspiriert ein belangloses und nicht überzeugendes Außen hinzu, das der Oper nicht gut tut. Viele spannenden Momente verpuffen ideenlos. Dazu kommen uninspirierte Kostüme und eine unattraktive Bühne. Es ist den Sängerinnen und Musikern zu verdanken, daß diese wunderschöne Oper zumindest eine minimale Wirkung erzielte. Der Applaus war schnell endend wollend.
Seit 1988 bin ich steter Besucher des Badischen Staatstheaters. Bei vielen Opern-, Theater-, Konzert- und Ballettvorstellungen im Jahr und Besuchen in anderen Städten verliert man schon mal den Überblick. Dieser Tagebuch-Blog dient mir seit der Spielzeit 2024/2025 als elektronische Erinnerung. Bitte beachten Sie meine Intention: ich bin kein Journalist oder Kritiker, sondern schreibe hier lediglich persönliche Eindrücke, private Ansichten und Vermutungen für mich und Angehörige nieder.
Sonntag, 25. Januar 2026
Poulenc - Dialogues des Carmélites, 24.01.2026
Donnerstag, 1. Januar 2026
Vor 100 Jahren: Josef Krips wird 1926 GMD in Karlsruhe
1926: Deutschlands jüngster GMD tritt seinen Posten in Karlsruhe an
Vier legendäre Dirigenten leiteten als Generalmusikdirektoren das Karlsruher Orchester: Hermann Levi (der in Bayreuth 1882 die Uraufführung des Parsifal dirigierte), Felix Mottl (der 1886 den allerersten Tristan in Bayreuth dirigierte), Joseph Keilberth (dessen Mitschnitt des Bayreuther Nibelungenrings von 1955 heute noch als Maßstab und Referenz gilt) und Josef Krips. Und ein fünfter sollte 1933 seine Karriere in Karlsruhe starten: Georg Solti (der 105 Grammy-Nominierungen erreichte und für seine Klassik-Aufnahmen zwischen 1962 und 1998 31 Grammy Awards gewann - ein Rekord, der erst 2023 von Beyoncé übertroffen wurde). Doch die Machtübernahme durch die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei vertrieb Solti und Krips, dessen bemerkenswerte Karlsruher Zeit und seine Karriere lohnen, in Erinnerung gerufen zu werden.